Leerkilometer reduzieren:
Warum Tourenoptimierung mehr als Planung ist
Leerkilometer reduzieren: Warum Tourenoptimierung mehr als Planung ist
Mehr als jede dritte Fahrt in Deutschland zugelassener großer Lkw und Sattelzugmaschinen ist leer. Für 2024 nennt die amtliche Güterkraftverkehrsstatistik 231,6 Millionen Lastfahrten und 139,7 Millionen Leerfahrten. Auf Kilometer gerechnet wurden 21.069,7 Millionen Kilometer mit Ladung und 6.352,0 Millionen Kilometer ohne Ladung zurückgelegt. Das entspricht rund 37,6 Prozent Leerfahrten und rund 23,2 Prozent Leerkilometern.
Wichtig ist die Einordnung: Diese Statistik bildet nicht den gesamten Straßengüterverkehr in Deutschland ab. Sie bezieht sich auf in Deutschland zugelassene große Lkw und Sattelzugmaschinen; im Ausland zugelassene Fahrzeuge sind nicht enthalten. Trotzdem zeigt sie sehr klar, wie groß das Thema ist.
Für Unternehmen mit eigener oder fest gecharterter Flotte kann der eigene Anteil deutlich davon abweichen. Je nach Branche, Tourenstruktur, Rückladungsmöglichkeiten, Zeitfenstern und Auftragsprofil kann er niedriger oder höher liegen. Genau deshalb reicht die Marktzahl allein nicht aus. Entscheidend ist die eigene Kennzahl.
Das Problem beginnt nicht bei der Route
Wenn in der Disposition über Leerkilometer gesprochen wird, landet die Diskussion schnell bei der Strecke: Warum fährt das Fahrzeug dort entlang? Warum fährt es zurück ins Depot? Warum wurde diese Tour nicht anders gelegt?
Die Route ist aber nur das sichtbare Ergebnis. Dahinter liegen andere Fragen: Welche Aufträge waren zum Planungszeitpunkt bekannt? Welche Fahrzeuge waren verfügbar? Welche Zeitfenster mussten eingehalten werden? Welche Restriktionen gelten für Fahrzeug, Fahrer, Material oder Entladestelle? Und vor allem: Welche Rückfrachten oder Kombitouren waren überhaupt sichtbar?
Leerkilometer entstehen selten durch eine einzelne falsche Entscheidung. Sie entstehen häufig dort, wo Informationen fehlen, zu spät kommen oder nicht systematisch zusammengeführt werden.
Das Denkmuster, das Leerkilometer stabil hält
Tourenoptimierung bedeutet nicht einfach: Die kürzeste Strecke finden. In der Lkw-Disposition geht es um einen besseren Gesamtplan unter realen Bedingungen.
1. Aufträge sinnvoll bündeln
Mehrere Aufträge müssen so kombiniert werden, dass Fahrzeuge möglichst gut ausgelastet sind, ohne Zeitfenster, Fahrzeugrestriktionen oder Prioritäten zu verletzen. Dafür müssen Auftragseingang, Kapazitäten, Laderäume, Fahrerinformationen und Tourdaten zusammen betrachtet werden.
2. Rückfrachten und Kombitouren sichtbar machen
Eine Software kann nicht aus jedem Rückweg automatisch eine wirtschaftliche Rücktour machen. Aber sie kann systematisch sichtbar machen, wo Aufträge, Kapazitäten und Wege zusammenpassen könnten. Genau dort entsteht der Unterschied zwischen „Wir fahren wie immer zurück“ und „Wir prüfen aktiv, ob die Rückfahrt nutzbar ist“.
3. Änderungen im Tagesverlauf einordnen
Transportrealität ist selten statisch. Baustellen verschieben sich. Zeitfenster ändern sich. Fahrer melden Verzögerungen. Ein Zusatzauftrag kommt rein. Eine moderne Disposition braucht deshalb nicht nur einen Plan für den Morgen, sondern die Möglichkeit, laufende Touren mit aktuellen Daten neu zu bewerten.
4. Kommunikation reduzieren, nicht nur digitalisieren
Wenn Status, ETA, Fahrerfeedback und Tourinformationen sauber im System laufen, sinkt der Klärungsaufwand. Das ist kein Nebeneffekt. Es ist ein wesentlicher Teil der Optimierung: Weniger Rückfragen bedeuten mehr Zeit für aktive Steuerung.
Warum Auslastung und Leerkilometer zusammengehören
Ein Fahrzeug, das regelmäßig mit niedriger Auslastung fährt, produziert nicht automatisch Leerkilometer. Aber niedrige Auslastung und Leerfahrten haben dieselbe Ursache: Die vorhandene Kapazität wird nicht optimal mit den vorhandenen Aufträgen verbunden.
Darum reicht es nicht, nur auf Kilometer zu schauen. Unternehmen brauchen Kennzahlen, die im Zusammenhang gelesen werden: Leerkilometeranteil, Fahrzeugauslastung, Tourdauer, Stopps pro Tour, Planungsaufwand, Termintreue und kurzfristige Umplanungen.
Erst dann wird sichtbar, ob ein Problem wirklich in der Gebietsstruktur liegt – oder ob Aufträge, Fahrzeuge und Zeitfenster heute noch zu wenig datenbasiert zusammengeführt werden.
Praxisbeispiel: FISCHER Weilheim reduziert Leerfahrten um 30 Prozent
Wie groß der Hebel sein kann, zeigt die Solvares Logistics Case-Study FISCHER Weilheim. Das Unternehmen aus dem Baustoff-, Bau- und Recyclingumfeld setzt rund 65 Fahrer und etwa 100 Fahrzeuge ein. Täglich werden 15 bis 20 Baustellen angefahren, häufig mehrfach. Die Disposition erfolgt durch drei Disponenten; transportiert werden bis zu 35.000 Tonnen Masse pro Tag.
Vor der Einführung von opheo fehlte ein umfassender Überblick in der Disposition. Rückfrachten waren größtenteils schwer planbar, die Kommunikation zwischen Disposition, Baustellen und Fahrern war zeitaufwendig. Heute arbeitet FISCHER Weilheim mit digitaler Disposition, Fahrer-App und klareren Prozessen.
Das Ergebnis laut Case Study: 30 Prozent weniger Leerfahrten und 80 Prozent weniger Telefonaufwand in der Disposition. Entscheidend war dabei nicht nur die Software als Tool, sondern die Kombination aus besserer Übersicht, klareren Prozessen, digitaler Fahrerkommunikation und der Möglichkeit, Rückfrachten und Kombitouren besser zu planen.
„Mit opheo können wir Rückfrachten und Kombitouren besser planen und haben so unsere Leerfahrten um 30 Prozent reduziert.“
Das ist kein pauschales Versprechen für jeden Fuhrpark. Aber es ist ein belastbares Beispiel dafür, was möglich wird, wenn Disposition nicht mehr nur auf Erfahrung, Telefonaten und Einzelwissen beruht.
Weiteres Beispiel: Kemmler steuert hochfrequente Baustellenlogistik digital
Auch die Case Study Kemmler zeigt, warum Transparenz in der Baustellenlogistik entscheidend ist. Kemmler beliefert von rund 35 Standorten aus täglich etwa 600 Kunden- und Baustellenaufträge und arbeitet mit einer eigenen Flotte von rund 120 Lkw. In der Disposition nutzt Kemmler opheo unter anderem mit Tour Gantt, Mobile App und Management Insights; LP2 übernimmt die verursachungsgerechte Kostenverteilung und Abrechnung.
Der relevante Punkt für das Thema Leerkilometer: In solchen hochfrequenten Prozessen reicht eine reine Planungsliste nicht aus. Disposition, Lager, Fahrer, Telematik, ERP, WMS, KPI-Steuerung und Abrechnung müssen so zusammenspielen, dass Entscheidungen auf einer gemeinsamen Datenbasis getroffen werden können.
Woran Unternehmen ungenutztes Potenzial erkennen
Fünf Hinweise zeigen, dass Leerkilometer und Auslastung noch nicht systematisch gesteuert werden:
- Der eigene Leerkilometeranteil wird nicht regelmäßig gemessen oder nicht im Wochenvergleich betrachtet.
- Touren werden überwiegend nach gewohnten Mustern geplant, ohne regelmäßige Prüfung auf Konsolidierungspotenzial.
- Rückfahrten werden nicht systematisch auf mögliche Rückfrachten oder Kombitouren geprüft.
- Disponentinnen und Disponenten verbringen viel Zeit mit Abstimmungen, Telefonaten und manueller Informationssuche.
- Unterschiede bei Auslastung, Tourdauer oder Leeranteil zwischen Fahrzeugen, Fahrern oder Gebieten werden nicht strukturiert ausgewertet.
Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, geht es nicht zuerst um „bessere Planung“. Es geht um Steuerbarkeit.
Was eine Dispositionssoftware konkret beitragen muss
Nicht jede Tourenplanungssoftware reduziert automatisch Leerkilometer. Entscheidend ist, ob sie die Informationen zusammenbringt, die für bessere Entscheidungen notwendig sind.
- Transparenz über Touren und Fahrzeuge: Welche Fahrzeuge sind unterwegs, verfügbar, unterlastet oder von Verzögerungen betroffen?
- Planung mit Restriktionen: Zeitfenster, Fahrzeugtypen, Ladekapazitäten, Lenk- und Arbeitszeiten sowie kundenspezifische Anforderungen müssen berücksichtigt werden.
- Rückfrachten und Kombitouren: Das System sollte sichtbar machen, wo Rückwege, Aufträge und Kapazitäten sinnvoll zusammenpassen könnten.
- Aktuelle Statusdaten: Fahrer-App, Telematik, ETA und Rückmeldungen helfen, laufende Touren besser zu steuern.
- KPI-Steuerung: Auslastung, Pünktlichkeit, Durchlaufzeiten, Leerkilometer und Planungsaufwand sollten nicht nur historisch reportet, sondern als Grundlage für Verbesserungen genutzt werden.
Der Disponent wird dadurch nicht ersetzt. Im Gegenteil: Er bekommt eine bessere Entscheidungsgrundlage. Die Software übernimmt Rechenarbeit, Sortierung und Transparenz. Der Mensch bewertet, priorisiert und entscheidet.
Leerkilometer sind keine Naturkonstante
Die 37,6 Prozent Leerfahrten in der amtlichen Statistik sind eine Marktgröße. Für einzelne Unternehmen sind sie kein Schicksal.
Wer Leerkilometer reduzieren will, muss zuerst sichtbar machen, wo sie entstehen: auf welchen Relationen, bei welchen Fahrzeugtypen, in welchen Zeitfenstern, bei welchen Auftragsmustern. Danach lässt sich prüfen, ob Rückfrachten, Kombitouren, bessere Bündelung oder frühere Statusinformationen helfen können.
Tourenoptimierung ist deshalb mehr als Planung. Sie ist operative Steuerung. Und sie beginnt mit einer einfachen Frage: Wissen wir wirklich, wie viele Kilometer unsere Flotte leer fährt – und warum?
Nächster Schritt: opheo live erleben
opheo von Solvares Logistics unterstützt Unternehmen dabei, Lkw-Touren transparenter zu planen, laufende Touren besser zu steuern und Disponentinnen und Disponenten im Alltag zu entlasten – von der Tourenplanung über ETA und Fahrer-App bis zur KPI-basierten Steuerung.
Quellen und weiterführende Hinweise
[1] Bundesministerium für Verkehr (BMV): Amtliche Güterkraftverkehrsstatistik, Eckwerte 2024, Meldestand 22.04.2025. https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/amtliche-gueterkraftverkehrsstatistik.html
[2] Solvares Logistics: Case Study FISCHER Weilheim – opheo verhilft FISCHER Weilheim zu transparenter Disposition und 30% weniger Leerfahrten. https://solvares-logistics.com/wp-content/uploads/2026/03/SLV-LOG_Case-Study_DE_FischerWeilheim_GeneralContact.pdf
[3] Solvares Logistics: Case Study Kemmler – End-to-End Construction Site Logistics with opheo & LP2. https://solvares-logistics.com/en/case-studies/case-study-kemmler/
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